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OpenData – Gasspeicher in Deutschland – Teil 3: Daten und Politik

Bisher haben wir mit relativ einfachen Mitteln schon interessante Diagramme erstellt. Aber ohne einen Zusammenhang sind sie nicht sehr aussagekräftig. Dazu muss man die Daten mit den Entscheidungen der Politik und den daraus resultierenden Handlungen der Wirtschaft in Korrelation bringen.

Das führt aber zu komplexen Diagrammen, die nicht mehr mit wenigen Zeilen Programmcode erstellt werden können und den Rahmen dieses Blogposts sprengen würden. Die Quellcode kann man sich aber auf GitHub ansehen.

Komplex, aber überschaubar

Das endgültige Diagram enthält viele Informationen gleichzeitig.

  • Zwei Y-Achsen:
    1. Die kumulierte Gasmenge (Füllstand in %) als blaue Verlaufslinie (linke Y-Achse).
    2. Die täglichen Einspeiseflüsse (**injection** in GWh/d) als dezente, hellgraue Balken im Hintergrund (rechte Y-Achse)
  • Die grauen Flächen im Hintergrund repräsentieren die täglichen beziehungsweise wöchentlich geglätteten Gaseinspeisungen in die deutschen Gasspeicher, gemessen in Gigawattstunden pro Tag (GWh/d)**.
  • Die roten Linien trennen die Bereiche zwischen politischen Entscheidungen.
  • Die drei Marker kennzeichnen entscheidende Wendepunkte in der Ganskurve

Dies ist nur ein statischer Schnappschuss. Das tatsächliche interakties Diagramm ist wesentlich informativer.

Interaktive Elemente

Um das Diagramm für den Nutzer noch zugänglicher zu machen, wurden interaktive Elemente eingeführt:

  • Bidirektionales Hovern: Fahren über die Kurve (ECharts-Event-Handling) aktiviert farblich die passende politische Phase in einer Seitenleiste. Ein Klick auf eine Phasen-Karte rechts steuert das Diagramm fern und setzt den Fokus-Pin exakt auf das historische Ereignis.
  • Dynamischer Tooltip: Blendet beim Überfahren mit der Maus den exakten Wochenschnitt in einer HTML-Box ein.
  • Zoom-Werkzeuge: Mausrad-Zoom und Schieberegler ermöglichen die stufenlose zeitliche Eingrenzung einzelner Monate oder Jahre.

Phase 1: Maximale Sicherheit (Vor Mai 2025)

⚠️ Achtung: Dieser Teil ist nicht ganz meinungsfrei.

Nach den Schockwellen der Energiekrise von 2022 überließ der Staat nichts dem Zufall. Mit strengen Füllstandsvorgaben und staatlich gestützten Gaseinkäufen wurden die Speicherbetreiber gezwungen, die Tanks vor dem Winter unbarmherzig vollzupumpen.

  • Das Ergebnis auf der Kurve: Die Füllstände kletterten im Herbst 2024 stetig nach oben. Am 21. Oktober 2024 erreichten die deutschen Speicher unter dem alten, harten Sicherheitsbestimmungen ihren wöchentlich geglätteten Höchststand bei 97,77 % (das entsprach 245,69 TWh physisch gelagertem Gas). Deutschland ging mit einem maximalen Schutzschild in den Winter.

Phase 2: Die Lockerung – Meilenstein A (Ab Mai 2025)

Im Frühjahr 2025 wiegte die scheinbare Entspannung der Gasmärkte die Politik in Sicherheit. Am 5. Mai 2025 trat die neue Gasspeicherfüllstandsverordnung (GasSpFüllstV) in Kraft. Die Bundesregierung senkte die gesetzlichen Pflichtziele für den 1. November für die meisten Speicheranlagen (Kavernen) von 90 % auf 80 % ab.

  • Die Auswirkung auf der Kurve: Da der gesetzliche Druck abfiel und norwegische Lieferungen den Markt stützten, flachte das Einspeisetempo privater Betreiber im Sommer 2025 ungewöhnlich früh ab.
  • Das Defizit vor dem Winter: Die Quittung folgte prompt im Herbst. Der Jahreshöchststand vor dem Winter 2025/2026 wurde am 21. September 2025 bei mageren 76,63 % (191,13 TWh) markiert. Damit fehlten Deutschland im Vergleich zum Vorjahr schlagartig 21 Prozentpunkte Gasreserve vor dem Frost.

Phase 3: Der kalte Entzug des freien Marktes – Meilenstein B & C (ab Winter 2025/2026)

Am 6. November 2025 beschloss der Bundestag das endgültige Aus für die im Krisenjahr 2022 eingeführte Gasspeicherumlage. Zum 1. Januar 2026 fiel die Umlage offiziell weg. Damit zog sich der Staat und der Marktgebietsverantwortliche (THE) komplett aus der aktiven, gestützten Speicherbefüllung zurück. Ab sofort galt: Der freie Markt regelt das komplett allein.

  • Der Absturz im Winter: Mit den ohnehin schlecht gefüllten Speichern (nur 76,63 % im Herbst) ging es in den Winter. Durch den Heizbedarf im Januar und Februar leerten sich die Reserven in rasantem Tempo. Am 20. Februar 2026 schlugen die Speicher bei einem kritischen historischen Tiefstand von gerade einmal 20,64 % (nur noch 51,83 TWh Restmenge) auf.
  • Das Marktversagen im Sommer 2026: Aus dieser tiefen Grube heraus startete die Einspeisesaison 2026. Da die Umlage weggefallen war, waren private Händler auf sich allein gestellt. Doch die Sommer-Winter-Preisdifferenzen (Spreads) am Gasmarkt waren 2026 minimal – es gab für Händler schlicht keinen finanziellen Anreiz, teures Gas im Sommer einzulagern, um es im Winter ohne Gewinnmarge zu verkaufen. Die Folge: Die Einspeisung stagnierte fast vollständig. Mitte August, am 17. August 2026, dümpelt der Füllstand bei mageren 50,06 % (123,40 TWh) herum

Fazit für Verbraucher: Der Markt wärmt uns nicht umsonst

Die geglättete Kausalitätskurve beweist unmissverständlich: Die leeren Speicher von heute sind kein Zufall und kein reines Wetterphänomen. Sie sind das direkte, mathematisch messbare Ergebnis des staatlichen Rückzugs. Sobald die gesetzlichen Ziele auf 80 % gesenkt wurden (Mai 2025) und die staatliche Umlagen-Unterstützung wegfiel (Januar 2026), stoppte der Markt die Vorsorge, weil sie nicht mehr profitabel war.

Wenn wir ohne Gasmangellage durch den nächsten Winter kommen wollen, zeigt diese Grafik vor allem eines: Auf das reine Prinzip „Hoffnung und freier Markt“ sollten wir uns bei der Existenzsicherung unserer Energieversorgung nicht blind verlassen.

Fazit für Programmierer

Wir wollten uns nicht auf die Aussagen anderer zum Stand der deutschen Gasspeicher verlassen und haben deshalb die Daten direkt von der Quelle geladen. Die Daten werden im JSON-Format angeboten und sind deshalb sehr einfach zu verarbeiten. Den Schwierigkit ist die sinnvolle Auswahl und Darstellung der Daten.

Mit ECharts war es möglich Die Daten mit überschaubarem Aufwand darzustellen und es ließ sich zum Schluss ein aufwendiges interaktives Diagramm erarbeiten, das die Zusammenhänge zwischen Daten und Politik/Wirtschaft verdeutlicht.

Ziel erreicht, würde ich sagen.

Abschließend werden wir uns in Teil 4 noch mit dem Aktualisieren des vorhandenen Datenbestands beschäftigen, das einige Fallstricke bereit hält.

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