Barcamp Rhein-Main – Tag 2 (#bcrm12)



Mein Körper scheint sich darauf eingestellt zu haben, dass am Wochenende alles etwas langsamer und gemütlicher läuft. Anders ist es nicht zu erklären, dass ich nach 9 Stunden Schlaf immer noch hundemüde bin. Zum Glück bin ich die Strecke nach Wiesbaden gestern schon einmal gefahren, so dass ich jetzt weiß, wo ich ungefähr lang muss, und tatsächlich war ich um ein Drittel schneller beim Barcamp Rhein-Main 2012 (#bcrm12) als am Tag zuvor. Wo ich einen Parkplatz finden konnte wusste ich auch, also auf zum Veranstaltungsort und zwei Tassen Kaffee, Croissant und Mohnschnecken einwerfen, dann zur Sessionplanung.

Wie auch im letzten Jahr habe ich den Eindruck, dass die techniklastigen Session am Sonnabend stattfinden und am Sonntag eher die allgemeineren. Gut so, denn ich glaube heute hätte ich etwas mehr Schwierigkeiten, Hardcore-Sessions wie der von Christoph Martens zu folgen.

So, auf zu den Sessions:

Welcher Test gewinnt?

Das ist doch mal ein schönes Thema zu Beginn des Tages. Silke Berz (@paulinepauline) ist Creative Director bei der triplesense GmbH und stellte 22-mal zwei oder mehrere Design-Vorschläge vor, bei denen man sich entscheiden sollte, welcher höhere Klickraten oder höhere Umsätze brachte.
Das Ergebnis war häufig sehr überraschend. Die wichtigste Erkenntnis für mich war allerdings, das große Bilder am Anfand der WEbseite (Silke nannte sie „Stages“) vom Benutzer nicht übermäßig beachtet werden. Das bestätigt mich wieder in meiner Meinung, dass die großen Slider, die momentan auf gefühlt jeder zweiten Webseite untergebracht werden.
Ich habe übrigens nur 10 von 22 richtigen Antworten. Deshal bin ich auch Programmierer und nicht Designer!

Ein Fachbuch schreiben?

Ich gehe davon aus, das jeder, der häufiger anderen Leuten erklärt, wie etwas funktioniert gedacht hat: „Darüber schreibe ich ein Buch!“. Aber ist das wirklich so einfach und kann man damit Feld verdienen?
Kerstin Probiesch (@kprobiesch) verstand es, die Probleme bei der Erstellung eines solchen Wälzers zu erläutern ohne dem Teilnehmer gleich jegliche Motivation zu nehmen.
Interessant fand ich die Aussage, dass man mit 1500 verkauften Fachbüchern schon so etwas wie einen Bestseller geschrieben hat; ich dachte da wären die Auflagen höher. Sehr ernüchternd waren die monetären Aussichten. Als Autor erhält man nicht einmal 3€ pro Buch, wenn dieses für 30€ über den Ladentisch geht (vor der Steuer!). Reich werden kann man damit nicht.
Kerstin ging auch auf die Möglichkeit ein, sein Buch per E-Publishing zu veröffentlichen. Zum einen erfordert dies einen höheren persönlichen Einsatz, da man die Arbeit, die ein Verlag leisten würde, mit übernehmen müsste, zum anderen sind Anbieter wie Amazon oder Apple noch auf den amerikanischen Markt eingerichtet und es dem deutschen Autor damit etwas schwieriger machen.

Crowdsourcing

Crowdsourcing scheint in den USA der angesagte Trend zu sein, seine Geschäftsidee Realität werden zu lassen. Funktioniert das aber auch in Deutschland?
Burkhard Schneider erklärte kompetent die verschiedenen Crowdsourcing-, Crowdinvesting- und Crowdfunding-Modelle, die Vor- und Nachteile der Plattformen. Darunter waren sehr einfache wie Kickstarter, aber auch kompliziertere Ansätze wie Quirky.
Um die vorherige Frage zu beantworten: bedingt. Crowdsourcing ist nichtunbedingt mit der Mentalität deutscher Geldgeber zu vereinbaren. Im Gegensatz zu vielen Amrikanern, die siach daran erfreuen, dass ein junges Unternehmen gestartet wird, möchte der Deutsche an sich gerne einen finanziellen Gewinn haben.
Schließlich wurde noch beschrieben, welche Fehler man bei der Einbindung der Crowd machen kann und wie es besser geht. Sehr schöne Einblicke, die dazu animierten, sein Geld nicht in Telekom- oder Facebook-Aktien zu investieren, sondern etwas Neues zu probieren; wenn es denn in Deutschland einmal sinnvoll möglich ist.

Textverständlichkeit

Meine zweite Session bei Kerstin Probiesch (@kprobiesch). Diesmal ging es darum, wie man seinen Textstil so verbessern kann, dass ihn mehr Leute verstehen können.
Im Laufe der Session erwischte ich mich immer wieder dabei, bei den Negativ-Beispielen meinen eigenen Schreibstil zu erkennen (das wird in diesem Artikel auc nicht viel anders sein). Die Benutzung von Füllwörtern (wie das eben genutzte „auch“), lange, komplizierte Sätze und der Gebrauch von Fremdwörtern und Redensarten erschweren vielen Menschen den Zugang zu Texten und der Autor verliert potenzielle Leser. Viele Beispiele verdeutlichten die Fehler, die man gerne macht und Gepflogenheiten, dieman sich über die Jahre angewöhnt hat und besser lassen sollte. Sehr lustig war auch der Ausflug in’s Beamtendeutsch, das Wörter wie „Lebensberechtigungsbescheinigung“ und „raumübergreifendes Großgrün“ hervorgebracht hat (und ich erkläre jtzt nicht, was die Wörter bedeuten ;-).

Wie baue ich einen Twitter-Retweet bot?

Ich muss zugeben, dass ich von dieser Session etwas anderes erwartet habe, nämlich echtes Hardcore-Coding. Das man allerdings nicht immer gleich mit der großen Programmier-Keule kommen muss, verdeutlichte Andreas Söntgerath mit mit seinem Retweet-Roboter, der auf Yahoo-Pipes und Twitterfeed basiert. Damit ist es möglich, ohne viel technisches Wissen einen Robot zusammenzuklicken. Man sollte allerdings darauf aufpassen, dass Twitter solche Robot-Accounts schnell als Spam-Accounts sperrt und deshalb den Account erst einige Zeit klassisch betreiben.
Insgesamt ein interessanter Einblick, wieman mit wenig Aufwand interesante Sachen machen kann.

Neue Geschäftsideen in 60 Minuten entwickeln

Diese Session habe ich besucht, weil der Titel interessant klingt. Ich habe nicht vor, ein eigenes Geschäft zu gründen, aber mich fazinieren Menschen, die Ideen haben und diese verwirklichen.
Burkhard SChneider zeigt viele Beispiel für interessante Geschäftsideen aus den USA und ein paar aus Deutschland. Überraschend, womit man alles Geld verdienen kann (USB-Sticks als StarWars-Figuren, Restaurants mit minimalen Speisenangebot oder das bekannte myMuesli).

Abschluss

Eine schöne Veranstaltung. Nach den zwei Tagen in der Barcamp-Hemisphäre muss ich mich erst wieder an das normale Leben gewöhnen, z.B. Menschen die ich nicht kenne, erstmal zu siezen und nicht davon auszugehen, das jeder weiß was Blogs und Twitter sind.

Damit war das Barcamp Rhein-Main 2012 noch nicht ganz vorbei, denn es gab noch die große Abschlussveranstaltung, aber leider war es durch die Verlängerung des Tagesablaufs um eine Session schon so spät, dass ich nicht mehr daran teilnehmen konnte und vor allem auch nicht beim Abbau helfen konnte. Ist mir auch peinlich. Wirklich!

Bis 2013!



Fotos von:
Stanislav Müller.

Comments

  1. Hallo, ein schöner Artikel. Vielen Dank für die Erwähnung meiner Sessions. Freut mich. Eine Korrektur: statt „20€ pro Buch“ muss es „3,00€ Buch“ heißen.

    • Danke für den Hinweis! 20€ ist natürlich vollkommener Quatsch und ich weiß nicht, warum ich das geschrieben habe. Bei 20€ hätte ich noch am gleichen Abend angefangen ein Buch zu planen! DREI Euro, liebe Leute, mehr kommt nicht rum…

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