Barcamp Mainz 2011, Erlebnisse eines Anfängers (1. Tag)

(Foto: netzkultur)

Das Barcamp Mainz war mein erstes „richtiges“ Barcamp, dass das WordCamp Köln ja schon alle Sessions im Voraus geplant hatte. Ich hatte also keine Ahnung, was auf mich zu kam.

Die Anfahrt war auf jeden Fall schon mal sehr angenehm, da ich nur 20 km vom Veranstaltungsort, der Uni Mainz, entfernt wohne. Also um kurz nach Acht auf die Autobahn, in Mainz zwei-, dreimal abgebogen und schon war ich da. Parken war kein großes Problem, da sich ein großer (und vor allem kostenloser) Parkplatz direkt vor dem Gebäude befand. Der Tag fing also schon mal gut an.

Der Vorlauf

(Foto: netzkultur)

Der eigentlich Veranstaltungsort war einfach zu finden, Schilder wiesen den Weg. Die  Anmeldung ging zügig, als Gimmick gab es diesmal kein T-Shirt, sondern eine Stofftasche. Angesichts der frühen Stunde erfreute mich der Kaffeeduft, der aus Untergeschoss nach oben zog. Ich folgte ihm wie eine Comicfigur und fand mich vor der Auswahl zwischen Filterkaffee und einem Schicki-Micki-Kaffeautomaten. Da ich keine ausgesprochener Kaffeetrinker bin, entschied ich mich für den Filterkaffee, um die Schlange vor dem Automaten zu umgehen und war von der Qualität überrascht. Schnell noch zwei Sandwiches vom üppigen Frühstücksbuffet geschnappt und erstmal auf einer der vielen Sitzmöglichkeiten Platz genommen, um richtig wach zu werden. Zeit hatte ich genug, ich hatte mich nämlich mit dem Zeitplan versehen und die Sessionplaunung ging erst eine Stunde später los als von mir angenommen.

 Die Sessionplanung

(Foto: triplesense)

Auf eine allgemeine Vorstellungsrunde wurde verzichtet, jeder sollte sich einfach seinem Sitznachbarn vorstellen. Nun gut, damit kannte ich immerhin schon mal zwei neue Leute.
Dem Aufruf zur Sessionvorstellung folgten ca. 40(!) Teilnehmer, dementsprechend lange hat es auch gedauert. Die potenziellen Referenten warn aber so gut drauf, dass selbst dieser Teil sehr unterhaltsam war.

Session 1: Design of Experiments  (Stefan Moser)

(Foto: netzkultur)

In der ersten Sessionrunde war kein  Thema, was mich wirklich interessierte, also entschloss ich mich dazu, das zu nehmen, das meinem üblichen Erfahrungsschatz am wenigsten entsprach, man will ja auch was Neues lernen.
Ich hatte keine Ahnung was mich erwartete. Man merkte dem Referenten Stefan Moser sofort an, dass er Ahnung und vor allem Leidenschaft für sein Thema hat. Kurz gesagt ging es darum, wie man Versuchsreihen auf ein Minimum reduzieren kann und trotzdem zu einem brauchbaren „nicht ganz Optimum“ kommen kann. Hierdurch wird Zeit und vor allem Geld gespart und man kann zügig zur Produktion übergehen. Weitere Optimierungen sind dann immer noch möglich.
Der Vortrag war sehr mathematisch aufgebaut und ich kann nicht behaupten, alles verstanden zu haben. Trotzdem hatte ich hinterher das Gefühl, etwas neues und interessantes gelernt zu haben, das ich momentan zwar nicht einsetzen kann, aber man weiß ja nie, was so in der nächsten Zeit auf einen zukommt.

Session 2: Screencasting HowTo (Andreas Pilz)

Screencasting ist etwas, was ich schon immer machen wollte und auf dem WordCamp hatte ich leider die entsprechende Session verpasst, die allerdings auch nicht so toll gewesen sein soll. Hier merkte man sehr schnell, das Andreas Pilz (@startupbus) sehr viel Ahnung vom Thema hat und dies auch gut mitteilen kann.
Als Hinweise nehme ich aus der Session mit, dass man einen Screencast sehr gut planen sollte und von Anfang an sich über das Zielpublikum klar sein sollte. Weiterhin ist eine gute Vorbereitung des Rechners notwendig, um ein immer gleich definiertes Umfeld zu haben.
Besonderen Wert legte Andreas auf die Vertonung von Screencasts und wie wichtig es ist, professionelle Sprecher einzusetzen, wenn man ein gehobenes Publikum ansprechen möchte und evtl. sogar Geld für den Screencast verlangen möchte. Andreas nannte auch konkrete Preise und Möglichkeiten an Sprecher heran zu kommen.
Obwohl Andreas ausschließlich Camtasia einsetzt, war dies keine Werbeveranstaltung und er wies auch auch auf andere Produkte hin.
Insgesamt bin ich schlauer aus der Session herausgegangen und fühle mich motiviert, bei meinen nächsten OS-Projekten ein Screencast als Einführung zu erstellen.

Interludium: Essen fassen

Beim morgendlichen Einlass gab es für jeden Teilnehmer eine Essensmarke, die es ihm jetzt ermöglichte in der direkt angrenzenden Mensa der Uni Mainz ein Mittagessen zu bekommen. Zu diesem Zweck war die Mensa im Ausgabebereich zweigeteilt: Selbstzahler mussten rechts abbiegen, Besitzer ein Essensmarke konnten diese in ein Topf und konnte sich dann eine Lasagne mit Fleisch oder Gemüse und einen Salat nehmen. Das erinnerte doch an die guten alten Zeiten…

Session3: Programmieren in Scala  (Kim Stebel)

Ich interessiere mich immer für andere Programmiersprachen, bin aber im Allgemeinen zu faul, mich wirklich hinzusetzen und einen Lerntag einzulegen. Scala als funktionelle Sprache interessierte mich besonders, denn ich habe irgendwie nie so richtig verstanden, was denn nun so toll daran sein soll.
Leider fand die Session in der sogenannten „Bierbank-Lounge“ statt, denn es wurden mehr Sessions angeboten als Räume vorhanden waren. Diese „Lounge“ stellte sich auch als größtes Problem heraus, denn Kim hatte nicht unbedingt die lauteste Stimme und da wir alle um ihn herum saßen, waren es auch schwierig für ihn, in eine bestimmte Richtung zu sprechen. Besonders störend war es aber, dass sich der Ort nur einige Meter vom gut frequentierten Verköstigungsbereich entfernt lag und das Kellergerschoss sehr gut den Schall transportierte. Alles zu verstehen war also das größte Problem.
Die Session selber bestand aus Live-Programmierung in der Kommandozeile, was meiner Meinung nach auch sinnvoller ist, als ellenlange Codeschnippsel vorgeworfen zu bekommen, da man sogar davon lernt, wenn der Vortragende einen Fehler macht.
Alles in allem eine Session die Lust auf funktionelle Programmierung gemacht, es muss ja nicht unbedingt Scala sein.

Session 4: Selenium Quickstart (Mario Hanneken)

Tests sind in der Programmierung momentan stark angesagt, warum sollten sie also vor der Web-“Programmierung“ halt machen? Will man sein Geld in diesem Bereich verdienen, kann es ja auch nicht falsch sein, seine Arbeit regelmäßig zu überprüfen. Ich war also sehr gespannt auf die Session, die leider wieder in der „Bierbank-Lounge“ stattfand und deshalb ähnliche Probleme wie Kims hatte.
Mario (@blariog)ist es gelungen, an einem einfachen Beispiel zu demonstrieren, wie wie man mit Selenium sein Frontend testen kann. Das Vorgehen gestaltet sich sehr einfach, da Selenium eine Rekorder-Funktion hat und man einfach einige Testfälle direkt im Browser eingibt und dann nach den Änderungen im Source der Webseite durch abspielen des gesamten Tests schnell überprüfen, ob das System immer noch korrekt arbeitet.
Insgesamt eine Session, die einem vor Augen geführt hat, wie sinnvoll automatisierte Tests von Webseiten sind und mit welchen geringen Aufwand sie einzurichten sind.

Interludium 2: Es ist Kuchen da!

(Foto: netzkultur)

Eine nette Überraschung gab es gegen Nachmittag, als leckere (sehr leckere!) Muffins aufgefahren wurden. Das gab neue Energie für die folgenden Stunden.

Session 5: Timelapse Ffm – Zeitraffer Videos (Marc Schmidt)

(Foto: netzkultur)

Ich fotografiere gerne, wenn auch nicht gut. Mein besonderes Interesse wecken Projekte, die die Digitalfotografie mittels des Computers in Bereiche bringen, die für die analoge Technik unzugänglich sind.
Marc Schmidt (@nochsoeiner)zeigt mit seinem Projekt „Timelapse FFM“ (@timelapseffm), dass es nicht schwierig und teuer sein muss. Ein Mittelklasse-Kamera und einige Standardtools genügen ihm, um eindrucksvolle Zeitraffer-Videos von Frankfurt/Main zu machen. Zugegeben, Frankfurt ist natürlich ein gefundenes Fressen für Fotografen, aber man muss auch die Ideen haben und sie umzusetzen wissen. Marc wusste mit seinen Videos den Hörsaal zu begeistern, spontaner Applaus nach jeden Video belegte es.
Etwas muss man aber doch in größerem Umfang investieren: Zeit. Nach Marcs Aussagen sollte man nicht zu viele soziale Kontakte haben und schon gar nicht Ehefrau und Kinder.
Wieder eine Session, die mich motiviert hat, etwas  Neues ausprobieren zu wollen. Leider mangelt es mir hierfür im Moment aber an Zeit und Ausrüstung. Ich werde es aber auf jeden Fall auf meiner ToDo-Liste behalten.

Session 6: Abläufe mit PHP und Phing automatisieren (Christian Münch)

Zum Abschluss des Tages gab es eine Session über die Automatisierung von wiederkehrenden Aufgaben bei der Entwicklung von PHP-Projekten. Ob es geschickt war, eine sehr technische Session zu so vorgerückter Stunde zu legen, ist fraglich, es fanden sich aber immerhin fünf Teilnehmer, die noch die nötige Aufmerksamkeit aufbringen wollten, um dem Thema zu folgen.
Christian (@cmuench)gelang es aufzuzeigen, wie es mit Hilfe von „phing“ möglich ist, die Auslieferung von PHP-Programmen zu vereinfachen, indem man automatisch Pakete schnürt, Daten in Repositories überträgt und vorher evtl. sogar noch ein paar Unit-Tests ausführt. Die Darstellung des Zusammenhangs zwischen den verschiedenen Konfigurationsdateien und eine Übersicht über die vielen, vielen sogenannten „Tasks“ sollten es mir ermöglichen, bald meine WordPress-Plugins über ein Skript zu veröffentlichen.

Abschluss

Insgesamt ein gelungener Tag, mit vielen Anregungen, die auf Umsetzung warten. Abends war ich hundemüde, so dass ich mir die Abschlusssession gespart habe und direkt nach Hause gefahren bin.

 

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