Barcamp Mainz 2011, Erlebnisse eines Anfängers (2. Tag)

Auftakt

(Foto: netzkultur)

Die Anfahrt zum Camp war heute noch einfacher als gestern, denn Sonntags morgens um 8:15 Uhr ist nicht wirklich viel auf den Straßen los. Parkplatz war auch wieder fast leer und so war der abschließende Fußweg sehr kurz.

(Foto: netzkultur)

Beim Frühstück war es heute wesentlich ruhiger als am Vortag, die meisten klammerten sich an einen Becher Kaffee, starrten auf ihren Monitor oder saßen einfach nur rum. Der erste Tag schien vielen noch in den Knochen zu stecken. Mir ging es nicht anders, 9 Uhr am Sonntag morgen ist auch nicht unbedingt meine bevorzugte Zeit, um wach zu sein. Nach zwei Bechern Kaffee (der wirklich lecker war) und drei halben Brötchen war ich dann bereit für die Sessionplanung.

Hier sah es zuerst so aus, als ob heute niemand etwas vortragen wollte, doch die Schlange wurde langsam länger. Die Themen machten heute einen etwas technischeren Eindruck als gestern, mehr Programmierung und und mehr Webdesign. Zum Glück wurden die Sessions so gelegt, dass ich an allen für mich interessanten Sessions teilnehmen konnte.

Session 1: Software Craftmanship & CodeRetreat (Benjamin Reitzammer)

Als Softwareentwickler (vulgo Programmier-Hure) ist man immer bestrebt, seine Fähigkeiten zu verbessern. Von Benjamins (@benjamin) Session habe ich mir Hinweise erhofft, wie ich mit Verstand und systematisch mein „Skills“ aufbessern kann.
Ich wurde nicht enttäuscht. Benjamin stellte in einer lockeren Art einige Pioniere des „Software craftmanships“ und deren Ideen und Konzepte vor (leider habe ich vergessen die Namen mitzuschreiben).
Ein Satz bleibt mir besonders im Gedächtnis „Es ist völlig in Ordnung, immer Softwareentwickler zu bleiben. Man muss keine ‚Karriere‘ machen.“

Session 2: TDD Intro (Benjamin Reitzammer)

Zufälligerweise war die nächste Session die ich besuchte wieder bei Benjamin. Die Idee des „Test Driven Development“ hat mich schon immer interessiert, nur konnte ich mich nie aufraffen, mich intensiver damit zu beschäftigen.
Der Ansatz dieser Session war interessant. Benjamin programmiert live und die Teilnehmer sagen ihm, was er schreiben soll. Als Aufgabenstellung wurde das „FizzBuzz„-Problem gestellt. Gemeinsam wurde dann Schritt für Schritt eine Testklasse erarbeitet. Der Wissensstand der Teilnehmer war durchaus unterschiedlich, von „noch nie was mit TDD gemacht“ bis „TDD-Profi“. Das kleine Programm und die dazugehörigen Tests wurden dann auch hauptsächlich von den Anfängern gebastelt und sie wurden dabei von den Erfahreneren immer wieder in die richtige Richtung gelotst. Ich denke, auf diese Weise haben beide etwas gelernt, die einen wie TDD prinzipiell funktioniert, die anderen, welche Probleme für Neulinge auftreten.
Eine sehr gelungene dreiviertel Stunde. Leider war der Raum, ein sehr steiler Hörsaal, für diese Art Session maximal ungeeignet. Entweder konnte man weit vorne beim Vortragenden sitzen, musste sich aber den Kopf verrenken, um die Beamerprojektion zu sehen, oder man saß sehr weit hinten. Sehr diskussionsfördernd war das nicht; vielleicht sollte es bei der nächsten Sessionplanung möglich sein, anzugeben, ob es sich hauptsächlich um einen Vortrag handelt oder um eine eine Diskussion oder Gruppenarbeit.

Mittagspause

(Foto: netzkultur)

Die Mittagspause fand am Sonntag im Untergeschoss statt. Es gab den Klassiker, Chili con Carne, sowie Kürbis- und Kartoffelsuppe. Dazu gab es Brötchen und Bretzel. Alles sehr lecker und sättigend. Anschließend gab es direkt den nachmittäglichen Kuchen, denn die Veranstaltung endete heute ja früher, so dass keine Zeit für ein ausgedehntes Kaffeekränzchen blieb.

Session 3: Animation und Interaktivität fürs Web (Martin Kraft)

Um es vorweg zu sagen: ich hatte mir von dieser Session etwas anderes erwartet, war am Ende aber nicht enttäuscht.
Martin (@martin_kraft) fing mit einem historischen Überblick der Entwicklung von Webanimationen an, insbesondere Flash, und im Vergleich dazu die Entwicklung der Browser. Dabei arbeitete er heraus, dass Flash bis vor wenigen Monaten ständig weiter entwickelt wurde, während die Browserentwicklung stagnierte. Erst in letzter Zeit hat Google mit der Einführung von Chrome für Bewegung auf dem Markt gesorgt.
Abschließend ging es darum, das Flash im Web noch lange nicht tot sei und HTML5 und CSS3 noch lange nicht so ausgereift seien, um Flash abzulösen. Dazu gab es durchaus unterschiedliche Meinungen, die eifrig diskutiert wurden. Ein abschließendes Ergebnis gab es natürlich nicht.

Session 4: Zaubern mit WordPress (Felix Riesberg)

WordPress ist mein Steckenpferd und deshalb war diese Session für mich Pflicht.
Felix erklärte die Grundlagen von Hooks in WordPress und anschließend Filter und Aktionen etwas genauer. Näher erläutert wurde das Konzept durch eine Vielzahl an kurzen Beispielen, die Felix aus seiner Schnippselkiste zog. Diese Art der Präsentation war vielleicht für die Nicht-Programmierer unter den Teilnehmern etwas zu zügig, aber in der Kürze der Zeit konnten so wenigstens viele Beispiele für den Einsatz von Filtern und Aktionen gebracht werden.
Am Ende sang Felix dann noch ein Loblied auf Webmatrix, was ich etwas nicht ganz so toll fand, weil es etwas den Charme einer Kaffeefahrt in die Runde brachte.

Session 5: CSS3 im Praxiseinsatz (Jens Grochtdreis)

CSS3 ist so ähnlich wie TDD, man will es sich unbedingt mal ansehen, aber wirklich Zeit und Muße findet man dafür dann doch nie.
Man merkte Jens (@flocke) sofort an, dass er Ahnung vom Thema hat und dass er sein Wissen auch gut an andere weitergeben kann. So war die Session dann auch sehr kurzweilig und informativ. Viele Bespiele veranschaulichten das Thema und etwas IE-Bashing durfte auch nicht fehlen, aber hier wurde es sogar begründet. Morgen fange ich mit CSS3 an, oder übermorgen, dann aber bestimmt!

Abschluss

(Foto: netzkultur)

Um kurz nach vier war das Barcamp Rhein-Main, wie es offiziell hast, vorüber und wurde mit einer Versammlung aller Teilnehmer abgeschlossen. Alle waren anscheinend zufrieden, die Helfer immer noch guter Laune. Was will man mehr?
Zum Schluss wurden alle noch „gezwungen“ einer der Bierbänke mit nach oben zum LKW zu nehmen, um die Helfer zu entlasten. Daran, dass dies wunderbar geklappt hat und wirklich keiner ohne Bank das Gebäude verlasen hat, kann man den Geist einer solchen Veranstaltung gut erkennen.

Mein Resümee

Das Barcamp Rhein-Main war eine sehr gelungene Veranstaltung, die hervorragend geplant war, vor allem wenn man bedenkt, dass jeder ehrenamtlich gearbeitet hat und alles in der Freizeit erledigt wurde. Besonders gut fand ich, dass auch die Leute ohne Laptop und Smartphone gedacht wurde und der Sessionplan auch ausgehängt wurde.
Immer wenn ich erzähle, dass es nichts kostet an einem Barcamp teilzunehmen und dass man auch noch Essen und Trinken kostenlos bekommt, ernte ich ungläubige Blicke. Vor allem von Leuten, die für ihre letzte Konferenzteilnahme mehrere hundert Euro bezahlt, dort nichts Interessantes erfahren und nur Langweiler kennengelernt haben.
Ich dagegen habe an diesem Wochenende vieles erfahren und gelernt. TDD werde ich mir auf jeden Fall ansehen, Timelapse-Fotografie würde ich auch gerne machen, mangels Ausrüstung wird das aber noch warten müssen. CSS3 wird meine Webseite demnächst auch verschönern und neue Seiten werden mit Selenium getestet.

Bis nächstes Jahr, wir sehen uns auf dem #bcrm 2012.

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