Fahrradweg-Fiasko in Undenheim/Rheinhessen


In Rheinhessen gibt es nicht viele Fahrradwege, insgesamt wird das Fahrradfahren hier eher vernachlässigt. Um so überraschender ist es, dass es in Undenheim (bei Wörrstadt) eine Straße mit Fahrradwegen gibt, oder was sich die zuständige Behörde unter einem solchen versteht.

Los geht’s

So sieht die „Staatsrat-Schwamb-Str“ von der „Wörrstädter Str.“ her kommend am Anfang aus. Eine typische enge Dorfstraße (die seltsamerweise den Rang einer Kreisstraße hat):

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Die Straße ist relativ eng, es ist nicht einmal Platz für einen angemessenen Fußweg. Auf der Straße sind Parkzonen aufgemalt, um den Verkehr zu beruhigen, Man kann an dieser Stelle sehr gut mit dem Rad auf der Fahrbahn fahren, ohne sich von den Autos bedrängt zu fühlen.

Diese Situation ändert sich aber einige Meter weiter:

IMG_2975 Pfeil

Kaum verbreitert sich die Straße, wird man auf einen gemeinsamen Fuß- und Radweg verweisen, den man aufgrund der Beschilderung benutzen muss. An dieser Stelle erscheint es auch noch als gute Idee, denn der Fußweg sieht ziemlich breit aus. Das gute Gefühl verlässt einen allerdings, wenn man die nächste Straßeneinmündung sieht:

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Durch die hohe Mauer wird die Sicht für einen Autofahrer vollständig verdeckt. Um Einblick auf die Hauptstraße zu bekommen, wird er soweit vorfahren, dass die Motorhaube in den Fahrradweg ragen wird. Dürfte man auf der Straße fahren, wäre diese Gefahr nicht gegeben. Die nächste Überraschung erwartet den Radler an der nächsten Straßenmündung: IMG_2981 Nicht nur, dass man als Autofahrer auch hier wieder schlecht die Hauptstraße einsehen kann. Hier ist es nicht ersichtlich, warum man mit dem Fahrrad auf dem Fußweg fahren soll, obwohl sich links davon eine gut ausgebaute Straße befindet, auf der die Gefahr, von einem von rechts kommenden Auto gefährdet zu werden, nicht besteht. Des weiteren befindet sich die Fahrbahn in einem wesentlich besseren Zustand als die Einmündung. Des weiteren befindet sich hier kein weiteres Schild, dass auf den gemeinsamen Rad- und Fußweg hinweist. Ich darf hier zwar auch auf dem Weg weiterfahren, es besteht aber keine Pflicht mehr.  

Gefahrenpunkt Schule

Die richtigen Gefahren dieses „Fahrradweges“ erkennt man aber, wenn man sich der Schule nähert. Hier muss ich wieder den Gehweg benutzen, da ein entsprechendes angebracht ist (auch wenn es sich 15 Meter hinter der Einmündung befindet):  IMG_2986-2

Hier kommen dem Radfahrer Gruppen von Kindern entgegen, die sich nicht auf den Verkehr konzentrieren. Warum sollten sie auch, sie befinden sich ja auf dem vermeintlich sicheren Bürgersteig. Die wirklich sichere Lösung für den Radfahrer ist absteigen und das Rad schieben. Man beachte in dieser Situation die völlig freie Straße, die man gut nutzen könnte, man darf nur nicht. Hier wird nicht der Sicherheit gedient, sondern den Autofahrern eine freie Fahrt ermöglicht.  Obwohl… wenn man genauer hinsieht erkennt man am Straßenrand kleine Verkehrsinseln (oder wie man die bezeichnen möchte). Es wird also offensichtlich versucht, den Verkehr doch beruhigen. Warum an einer solchen Stelle Radfahrer auf den Fußweg gedrängt werden erschließt sich mir nicht. Zur gleichen Zeit geschah folgende Situation direkt hinter mir: IMG_2987-2 Dies ist genau die Situation, die durch diesen gemeinsamen Weg erzeugt wird. Der Radfahrer nähert sich von hinten an die Fußgänger, klingelt und verscheucht die Fußgänger an den Zaun. Die Frau mag die Situation noch richtig erfasst haben, muss die Kinder allerdings an die Seite drücken, damit diese in Sicherheit sind. Man beachte wieder die freie Straße auf der rechten Seite. Aber weiter in Richtung Schule. Hier verschärft die aktuelle Situation die Gefahr für Radfahrer (und Fußgänger). Wir befinden uns hier direkt an der Schule: IMG_2991 Zuerst zur Beschilderung: Hier wird vor Kindern gewarnt, die auf die Straße laufen könnten. Gleichzeitig sollen Radfahrer aber den Fußweg benutzen und somit die Kinder noch mehr gefährden. Sinn ergibt das nicht. Man beachte auch das weiße Auto, dass den Fußweg als Parkplatz nutzt und damit den verfügbaren Platz erheblich reduziert. Der Radfahrer wird also auf die rechte Seite an den Zaun gedrängt. Hieraus ergibt sich in den nächsten Sekunden eine äußerst gefährliche Situation: IMG_2993-2 Vom Schulgelände möchte ein Auto auf die Straße fahren. Um diese sehen zu können, muss es zur Hälfte auf dem Gehweg stehen. Hätte ich mich mit dem einige Meter weiter vorne befunden, wäre ein Unfall sicher gewesen. Die gleiche Situation nur Sekunden später und einige Meter weiter: IMG_2998 Die Straße ist für Autofahrer nicht einsehbar, da der Zaun die Sicht versperrt.  

Es wird nicht besser

Hat man den gefährlichen Bereich der Schule hinter sich gebracht, wir wird die Situation nicht besser: IMG_2999 Hier schwenkt der Weg nach rechts auf eine Bushaltestelle zu. Schon die Mutter mit ihrem Kind macht die Sistuation unangenehm, stehen hier ein paar Leute mehr wird die Situation brenzlig. Hinter der Bushaltestelle geht es direkt weiter IMG_3003 Hier muss man mit einem Linksschwenker zwischen Baum und Unterstand durchfahren. Im Hintergrund erkennt man bereits, das der Weg durch Beete verengt wird: IMG_3005 Diese Beete sind wohl dafür gedacht, den Autoverkehr zu verlangsamen, warum sie aber auch den Fuß-/Fahrradweg verengen erschließt sich mir nicht. Vielleicht wollte man die Autos doch nicht zu sehr stören? Etwas weiter wurde ein weiteres Hindernis aufgebaut: IMG_3011 Hier wird mal eben kurz der Weg auf 1,40 Meter verengt. Mir der gläsernen Seite ist die Haltestelle schon bei Tag eher schlecht zu erkennen, bei Nacht wird diese Stelle zu einen unkalkulierbaren Falle. Radwege müssen auch nicht gepflegt werden und dürfen ruhig langsam immer weiter zuwachsen: IMG_3014 Auf der Straßenseite sind die Pflanzen übrigens korrekt am Bordstein gestutzt worden.

Der Tunnel, dunkel und gefährlich

Am Ende hält dieser Radweg ein echtes Highlight bereit. Nur zur Information: ab hier befinden wir uns auf dem Selztal-Radweg, der damit wirbt, dass er „in beide Richtungen einfach zu befahren“ ist: IMG_3024 Auf einmal sieht man sich genötigt, eine Art Richtungspfeil und Fahrbahnmarkung aufzutragen. Ein Grund dafür ist nicht ersichtlich: IMG_3027-2 Weiter hinten kreuzt die Straße die B420. Um dem Radfahrer den großen Kreisverkehr zu ersparen, darf er hier durch einen schmalen Tunnel fahren: IMG_3028 IMG_3029 Ich kann diesen Tunnel nicht anders als ein „dunkles Loch“ bezeichnen. Sieht schon bei Tag nicht schön aus, in der Nacht wird es aber bestimmt richtig gruselig. Zum Glück befinden sich in einem solchen Tunnel aber Beleuchtungen: IMG_3030 Ja, eine Beleuchtung ist vorhanden, aber in welchem Zustand? Der transparente Teil ist von Sprayern komplett mit blauer Farbe übersprüht worden. Das die Lampen tatsächlich funktionieren wage ich zu bezweifeln, am Tag auf jeden Fall nicht. Wäre die Beleuchtung in von Autos genutzten Tunneln in diesem Zustand, würden sie in kürzester Zeit wieder instand gesetzt. Hat man den Tunnel geschafft wartet die nächste Überraschung. Der Weg wird einfach blockiert: IMG_3032 Diese Dinger nennen sich „Drängelgitter“ (offiziell „Umlaufgitter„) und haben den Sinn, Fahrradfahrer vor gefährlichen Situation (z.B. einem unbeschrankten Bahnübergang) zum Abbremsen zwingen. Der Tunnel wird also offensichtlich als gefährliche Situation angesehen. Zu welcher Reaktion bei den Radfahrern führt kann man auf der rechten Seite sehen: IMG_3033 An der Seite hat sich ein Trampelpfad gebildet, der an dem Drängelgitter vorbei führt und die Sicherheitssituation nicht verbessert. Zum einen ist der Trampelpfad nach einiger Zeit so tief ausgetreten, dass ein Radfahrer im flachen Winkel zurück auf den Weg fahren müssen.  Zum anderen befinden sich die entgegen kommenden Radfahrer so weit auf der Seite, dass sie kaum in den Tunnel blicken können. Kurze Zeit später ist die Odyssee über diesen Radweg vorbei und der Radfahrer wird wieder auf die Straße entlassen. IMG_3039

Der Rückweg

 Zeit für den Rückweg. Befährt man den Weg zum Tunnel in diese Richtung, wird ersichtlich warum das Gitter angebracht wurde: IMG_3050 Von dieser Seite ist der Tunnel vollkommen uneinsehbar. Der Weg hat an dieser Stelle ein starkes Gefälle und es ist nicht einfach rechtzeitig abzubremsen, zumal das Gitter bereits bei Tageslicht kaum zu erkennen ist. Die angebrachten rot-weißen Streifen sind eher ein Alibi als eine echte Markierung. Im Dunkeln dürfte diese Konstruktion zu gefährlichen Situationen führen. Sollte jemand das Gitter komplett übersehen ist ein schwerwiegender Unfall die Folge. Die Ausfahrt aus dem Tunnel ist nicht übersichtlicher als die Einfahrt: IMG_3052 Wenn hier jemand mit seinem Rad die Kurve schneidet kann es sehr ungemütlich werden. Warum der Weg hier nicht einfach gerade weiter geführt wird kann man nur mutmaßen. Der Tunnel war eventuell nur als Fußgängertunnel geplant und wurde nach dem Bau des Kreisels zum Fahrradtunnel um gewidmet. In diesem Abschnitt muss der weg in beide Richtungen befahren werden, weil sich am Anfang ein entsprechendes Schild befindet. Dies ändert sich nach einigen hundert Metern durch ein entsprechendes Schild auf der rechten Seite (roter Pfeil): IMG_3054-2 Da man bei zwei Radwegen an einer Straße den rechten benutzen muss, muss man hier die Straßenseite wechseln. Die baulichen Gegebenheiten sind aber nicht entsprechend gestaltet: IMG_3060-2 Genau an der Stelle, an der man auf den Fußweg fahren soll befindet sich ein Glasfaserverteiler der Telekom. Der Bordstein ist nicht abgesenkt, so dass man diesen in einem flachen Winkel überfahren muss, um nicht mit dem Verteilerkasten zu kollidieren. Bei nasser Straße ein nicht ungefährliches Unterfangen. Kaum hat man den Fußweg erklommen, stellen sich zwei Hindernisse in den Weg: IMG_3064 Zuerst muss man die Treppenstufen umfahren. Dies mag im Bild recht einfach erscheinen, ist doch noch genug Platz auf dem Bürgersteig. Will man allerdings einem evtl. entgegen kommenden Fußgänger ausweichen, kann diese Stufe durchaus zur Falle werden. Das Wartehäuschen der Bushaltestelle ist wieder durch eine transparente Seitenwand kaum zu erkennen, auf dem Weg bleiben noch genau 1,40 Meter Platz. Im weiteren Verlauf wird der Weg wieder unnützerweise verengt: IMG_3067 Wer denkt, hier handelt es sich um wichtige Pfosten, z.B. für Verkehrsschilder oder Laternen, der irrt. Es sind zwei Fahnenmasten und der Pfahl eines Werbeschildes. Warum befindet sich sowas auf dem Fuß- und Radweg und nicht auf dem Privatgrundstück? Noch während ich wieder auf das Fahrrad stieg, meinte ein Angestellter des Auto-Handels seinen Wagen mitten auf dem Weg abstellen zu müssen: IMG_3070 Ich durfte mich beim Weiterfahren dann zuerst auf die Fahrbahn begeben und dann zwischen dem weißen und schwarzen Auto und dem Bordstein wieder auf den Weg quetschen. Dankeschön! Auch in dieser Richtung sind die Blumenbeete, die den Verkehr drosseln sollen, ein größeres Hindernis für die Fahrräder als für die Autos: IMG_3071 Den Autofahrern dürfte diese kleine Delle auf der Straße wohl ziemlich egal sein.  

Jetzt aber wirklich das Ende

Schließlich endet die Benutzungspflicht des Fußweges wieder kurz bevor die Straße enger wird: IMG_3073 Will man sich an dieser Stelle an die StVO halten, so ist fahrerisches Geschick von Nöten, denn der der linke Fußweg wird hier zum benutzungspflichtigen Radweg. So wird es ursprünglich nicht gedacht sein. Sollte sich aber auf der Straße ein Unfall ereignen, so kann man wahrscheinlich belangt werden, weil man den „Radweg“ nicht benutzt hat.   So sieht im übrigen das Ende des Radweges aus, von Absenkung keine Spur: IMG_3084 Gäbe es eine solche Schwelle auf der für Autos reservierten Fahrbahn, so würden dort große Schilder aufgestellt und der Baubetriebshof benachrichtigt. Aber hier geht’s nur um einen Fahrradweg. Hier noch einmal ein Blick auf die Straße, an der man als Fahrradfahrer auf den Bürgersteig verbannt wird. Wo ist hier der Sicherheitsvorteil auf dem Bürgersteig fahren zu müssen. IMG_3087

Einen hab‘ ich noch!

Ganz zum Schluss noch ein kleines Schmankerl. So ganz sicher scheint sich die zuständige Behörde über die geltenden Verkehrsregeln nicht zu sein. Wie wir gesehen haben, befinden sich auf beiden Seiten der Straße benutzungspflichtige Radwege. Das heißt, um es zum zehnten Mal zu sagen, dass Fahrradfahrer die rechte Seite benutzen müssen. Was hat dann aber dieses Schild auf der linken Seite zu bedeuten? IMG_3091-2 Mir stellt sich die Frage, ob diese Beschilderung aus Unkenntnis der geltenden Vorschriften der StVO geschieht, oder ob davon ausgegangen wird, dass der Fußweg von den Radfahrern sowieso in beide Richtungen benutzt wird. Beide Fälle sind nicht unbedingt schmeichelhaft, denn wenigstens die für die Aufstellung von Verkehrsschildern zuständigen Stadtangestellten sollten über die aktuelle StVO Bescheid wissen. Sollten sie diese jedoch kennen, so frage ich mich, warum die Beschilderung oder Kennzeichnung der Wege nicht so gestaltet wird, dass Fahrradfahrer auf den „rechten Weg“ gebracht werden.  

Fazit

Auf der Staatsrat-Schwab-Str. wurde versucht den Radverkehr auf einen gemeinsamen Fuß- und Radweg zu verlagern. Die Gründe könnten vielfältig sein:

    • die Angst, Fahrradfahrer wären auf der Straße gefährdet

 

  • die Annahme, Fahrradfahrer gehören nicht auf die Straße

 

 

  • Unkenntnis über die vor Ort tatsächlich herrschenden Gegebenheiten

 

 

  • man will den Autoverkehr auf der Straße nicht behindern

 

 

Eine Klärung kann nur durch die zuständigen Behörden geschehen, die ich hiermit auffordere sich bei mir zu melden. Ich werde gerne die Antwort veröffentlichen.  


2 Gedanken zu „Fahrradweg-Fiasko in Undenheim/Rheinhessen“

  1. Wie schön wäre es doch, wenn das nur ein Einzelfall wäre …

    Was ich schon an Radwegen erlebt habe, die plötzlich auf Straßen münden, gefährlich verengt waren, zugeparkt wurden oder durch Schlaglöcher eine Gefahr für Leib & Leben darstellen, …

    1. Ja, es gibt schlimmere Radwege in Deutschland, aber hier in der Umgebung dieser eben fast der einzige und den haben sie dann nicht mal hin bekommen. Vielleicht einfach mangelnde Erfahren?

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